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Aus der Schule geplaudert

Tipps zur Realisierung grenzüberschreitender Kulturprojekte im südböhmisch-oberösterreichischen Grenzraum

Im Folgenden wollen wir Ihnen auf der Grundlage praktischer Erfahrungen in der grenzüberschreitenden kulturellen Zusammenarbeit einige Tipps geben, die hilfreich sein können, wenn Sie vorhaben, die Idee eines österreichisch-tschechischen Kulturprojektes zu verwirklichen (z.B. ein multikulturelles Festival, das zu beiden Seiten der Grenze stattfindet, den Austausch südböhmischer und oberösterreichischer SchülerInnen, die Herausgabe einer zweisprachigen Anthologie tschechischer und österreichischer Lyrik, eine internationale Tanztheaterproduktion o.ä.)

Die wohl wichtigste Voraussetzung für die Realisierung eines solchen Projektes ist eine gehörige Portion Idealismus und Geduld. Auch wenn der Fall des eisernen Vorhangs nun schon fast zwei Jahrzehnte zurückliegt, sind derartige Projekte immer noch keine Selbstverständlichkeit und es gibt genügend Hürden, die es zu überwinden gilt. Eine Veranstaltung als grenzüberschreitend zu organisieren, nur weil sich dadurch evt. die Fördermöglichkeiten erhöhen, macht keinen Sinn.

Die erste Schwierigkeit kann sich zeigen, wenn es darum geht, einen oder mehrere geeignete Partner aus der Nachbarregion für das Projekt zu finden und zu gewinnen. Da es eines der zentralen Anliegen dieses Portals ist, durch die Sammlung und Veröffentlichung von Informationen und Kontakten eben diese Partnersuche zu erleichtern, können Sie zu diesem Zweck die Rubriken Kulturkontakte und Marktplatz nutzen, wo Sie auch Inserate veröffentlichen können. Wenn Sie an Kontakten interessiert sind, die in dieser Datenbank (noch) nicht zu finden sind (wobei wir uns laufend darum bemühen, dass die Zahl der Einträge weiterhin wächst), oder andere mittel- und osteuropäische Regionen involvieren wollen, können Sie in der Rubrik Netzwerke, Informationsstellen, Internetportale weitere Anlaufstellen finden.

Haben Sie einmal einen Partner gefunden, der Ihnen als geeignet erscheint, kann sich gleich die nächste Schwierigkeit zeigen: die Sprachbarriere. Auch wenn in vielen Fällen Englisch benutzt werden kann, kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass die Englischkenntnisse der Beteiligten ausreichen, um alles bis ins kleinste Detail zu besprechen, was bei der gemeinsamen Umsetzung eines Projektes einfach notwendig ist. Es ist deshalb natürlich ein erheblicher Vorteil, wenn zumindest eine der beteiligten Personen beide Sprachen auf sehr hohem Niveau spricht. Allerdings kann für einen Organisator diese Doppelrolle - nämlich gleichzeitig Übersetzer und Partner zu sein, der seinen eigenen Standpunkt einbringt - sehr anstrengend und aufreibend sein. Deshalb ist es empfehlenswert, einen unabhängigen Übersetzer beizuziehen, was allerdings in den meisten Fällen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, es sei denn, man wendet sich an einen Studenten/ eine Studentin der jeweiligen Sprache.

Daneben gibt es auch außersprachliche Aspekte, die die Kommunikation mit den Partnern wesentlich erleichtern: zum einen einfach die Bereitschaft, die Sprache des anderen zu lernen, womit man ein wichtiges Signal setzt, zum anderen die Akzeptanz kultureller Unterschiede. Denn auch wenn die Unterschiede in der Mentalität gar nicht so groß sind, wie es zuweilen scheint (was wohl mit der langen gemeinsamen Geschichte zusammenhängt), so hat der eiserne Vorhang doch bewirkt, dass die Erfahrungen und der Umgang mit bestimmten Dingen zum Teil immer noch sehr verschieden sind. Ein näheres Kennenlernen der Partner, ihrer Vor- und Einstellungen und die Klarstellung der eigenen ist deshalb unabdingbar. Eine gute Gesprächskultur ist also unerlässlich und man sollte nicht gleich böse Gespenster sehen, wenn einmal etwas nicht klappt.

Wenn Sie nun Ihren Partner gefunden und sich gemeinsam für eine Zusammenarbeit entschieden haben, werden Sie sich mit der Finanzierung des Projektes beschäftigen.

Die meisten Kulturprojekten können aufgrund der Förderbedingungen bekanntlich nur durch mehrere Geldgeber finanziert werden. Dies gilt in Österreich ebenso wie in Tschechien. Bei Ihrer Suche nach den geeigneten Stellen zur Finanzierung eines oberösterreichisch-südböhmischen Projektes kann die Rubrik Fördermöglichkeiten für grenzüberschreitende Kulturprojekte in Südböhmen und Oberösterreich in dieser Datenbank nützlich sein, in der Sie Links zu wichtigen Förderstellen auf beiden Seiten der Grenze finden. Wenn Sie vorhaben, neben Südböhmen und Oberösterreich auch andere Regionen zu involvieren, können Sie natürlich noch zusätzlich bei Stellen beantragen, die Sie in unserer Link-Sammlung nicht finden wie z.B. beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds oder im Rahmen des Programms "Mezinárodní spolupráce East-East / Internationale Zusammenarbeit East-East" des Prager Open Society Fund.

Nach einer ersten Kostenkalkulation müssen Sie also entscheiden, welche Summen Sie bei welchen Förderstellen für welche Posten beantragen. Bei einer derartigen Aufteilung müssen natürlich die Bedingungen der jeweiligen Förderstellen berücksichtigt werden, d.h. also beispielsweise: Wieviel Prozent der Gesamtkosten ist der Förderer bereit zu übernehmen? Welche Posten werden gefördert, welche nicht oder nur z.T.?

Reagiert eine Förderstelle positiv auf Ihren Antrag, kann es vorkommen, dass der Fördervertrag erst dann unterschrieben wird, nachdem Sie durch schriftliche Bestätigungen nachweisen können, dass auch die anderen angegebenen Förderstellen das Projekt unterstützen und somit dessen Finanzierung gesichert ist. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch der Eigenanteil der Organisatoren (beispielsweise die Einnahmen aus den Eintritten), der einen gewissen Prozentsatz der Gesamtkosten ausmachen muss (auch hier hängt die Höhe von den jeweiligen Förderstellen ab).

Meist reagieren ja nicht alle Geldgeber positiv, oder Sie genehmigen nur einen Teil der beantragten Summe; deshalb gehört es zum normalen Ablauf von Projektvorbereitungen, dass immer wieder von neuem kalkuliert und umgeplant werden muss, was meist bedeutet, dass auch das inhaltliche Konzept neu überarbeitet werden muss.

Wenn wir gerade beim administrativen Aufwand sind, den ein grenzüberschreitendes Projekt mit sich bringt: nur wenige Förderstellen sind bereit, auch Honorarkosten für die Organisation zu übernehmen.

Auch beim Finanzierungsprozedere ist natürlich die Kommunikation und Klärung der Bedingungen mit den Projektpartnern äußerst wichtig. So muss man beispielsweise die Tatsache berücksichtigen, dass die Höhe der Förderungen in der Regel auf tschechischer Seite wesentlich niedriger ist als auf der österreichischen Seite. Wie Carsten Lenk in seinem Beitrag zum ACCC-Finanzhandbuch beschreibt, waren die tschechischen TeilnehmerInnen eines Workshops zum Thema "Finanzmanagement in grenzüberschreitenden Projektgruppen" auch davon überzeugt, dass die Akquise öffentlicher Zuschüsse ungleich schwieriger ist als in Österreich. Und so scheint immer wieder das Phänomen aufzutauchen, dass im Laufe der Zusammenarbeit die tschechischen Partner das Gefühl bekommen, Partner 2. Klasse zu sein. Deshalb forderte Lenk die österreichischen und tschechischen Teilnehmer des oben erwähnten Workshops auf, die Ressourcen der Partner eines Beispielprojektes in Waagschalen zu legen. "Dabei sind Ressourcen sowohl materielle wie immaterielle Beiträge" (Lenk). Es konnte festgestellt werden, dass in dem Beispiel der österreichische Partner zwar mehr Geld und eine etablierte, feste Struktur in das Projekt einbringen konnte, der tschechische Partner jedoch wiederum mehr ehrenamtliches Engagement, Erfahrungen auf anderer Ebene und bessere Sprachkenntnisse (man denke nur an das ungleiche Verhältnis zwischen TschechInnen, die ausgezeichnet Deutsch, und ÖsterreicherInnen, die ausgezeichnet Tschechisch sprechen).

Oft werden diese Beiträge und Ressourcen "vergessen" oder als selbstverständlich erachtet. Lenk weist zudem darauf hin, dass beide Partner von diesen unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten profitieren können und dass dies für das Projekt sehr fruchtbringend sein kann.

Ist es Ihnen einmal gelungen, die Finanzierung des Vorhabens zu sichern, kommt in der Organisationsarbeit der Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Bedeutung zu: Wenn Sie schon dabei sind, ein österreichisch-tschechisches Projekt zu verwirklichen, so sollten Sie natürlich auch in beiden Regionen die Werbetrommel schlagen. Ein Medium, dass Sie kostenlos nutzen können, ist der ACCC-Newsletter, der monatlich an rund 900 Interessenten aus beiden Ländern versandt wird und dessen Inhalt auch in der Rubrik Aktuell dieses Portals zu finden ist oder die Rubrik Kalender, in der Sie Veranstaltungen nur ankündigen können, wenn Sie auch in den Kulturkontakten ein Profil von sich veröffentlicht haben. Wichtige Informationen und Kontaktdaten zu österreichischen und tschechischen Tageszeitungen sowie Zeitschriften haben wir in der Rubrik Öffentlichkeitsarbeit für grenzüberschreitende Kulturprojekte in Südböhmen und Oberösterreich veröffentlicht. Hier finden Sie auch praktische Tipps der erfahrenen tschechischen Journalistin Simona Juraèková zur grenzüberschreitenden Öffentlichkeitsarbeit bei kulturellen Veranstaltungen aus dem ACCC-Medienhandbuch.

Noch ein letzter Hinweis (insbesondere für österreichische Veranstalter): Es ist zu empfehlen, bei den Eintrittspreisen bzw. Teilnahmegebühren die unterschiedliche Einkommenssituation der beiden Länder zu berücksichtigen. Womit Sie den Nachbarn "von der anderen Seite" auch signalisieren, dass sie wirklich willkommen sind.

Florian Tilzer, November 2007


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